Fragen und Antworten zum Projekt ARA Thurau und zur Kostenentwicklung
Die bestehenden Abwasserreinigungsanlagen in Wil, Jonschwil, Uzwil und Zuzwil sind über 30 Jahre alt. Sie müssen rund um die Uhr laufen, an die Vorschriften angepasst und mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ergänzt werden. Das erfordert dringend umfassende Massnahmen. Statt an vier Standorten löst die ARA Thurau diese Aufgabe effizient an einem Standort.
Ziel: sauberes Wasser in der Thur und gesundes Trinkwasser.
Die 130'000 Einwohnerwerte berücksichtigen
- das Bevölkerungswachstum
- die Entwicklung von Betrieben und Industrie
im ganzen Einzugsgebiet bis ca. 2050. Eine vorausschauende Auslegung verhindert, dass die Anlage bereits kurz nach Inbetriebnahme wieder erweitert werden müsste. Die Anlage kann baulich noch um mindestens 40'000 Einwohnerwerte erweitert werden und sollte damit für dieses Jahrhundert genug Kapazitäten haben.
Die ursprüngliche Schätzung basierte auf dem Vorprojekt mit entsprechender Bandbreite. Im Bauprojekt liegen nun präzisere Mengen, konkrete Ausführungsdetails, aktualisierte Marktpreise und vertiefte Untersuchungen vor.
Zu den Hauptfaktoren für die Kostensteigerung gehören:
– Bau-Teuerung seit 2021 und stark gestiegene Preise in der Maschinentechnik: Fr. 24.0 Mio
– Notwendige Projektergänzungen aufgrund von zusätzlichen gesetzlichen Anforderungen, des Wachstums, den Erkenntnissen aus vertieften Baugrunduntersuchungen und technische Optimierungen für einen langfristig sicheren Betrieb: Fr. 23.7 Mio.
– Fachgerechte Entsorgung von PFAS-belasteten Aushubmaterial: Fr. 4.9 Mio
– Detailliertere Planung mit präziseren Mengen, konkreten Ausführungsdetails: Fr. 22 Mio.
Die aktuelle Kostenbasis ist damit deutlich belastbarer und genauer als die frühere Schätzung.
Nein. Ein Vorprojekt definiert Varianten und eine realistische Grössenordnung. Erst im Bauprojekt werden Baugrund, Konstruktion und technische Details so präzisiert, dass verbindliche Zahlen entstehen. Die Anpassung ist Folge dieser Präzisierung.
Auch bei einer Sanierung der bestehenden Anlagen wären Mehrkosten entstanden – insbesondere wegen der gesetzlichen Anforderungen an die Mikroverunreinigung sowie der Teuerung im Bau- und Anlagenbereich. Diese Kostenfaktoren betreffen jede Anlage. Die regionale Lösung bündelt die Investitionen an einem Standort und schafft dadurch langfristig eine höhere Reinigungsleistung und effizientere Betriebsstrukturen.
Die ARA Thurau ist als Zweckverband organisiert. Dieses Organisationsmodell ist vom Gemeindegesetz für grosse regionale Aufgaben vorgesehen. Diese Aufgaben sind oft grösser als jedes kommunale Vorhaben. Die Stimmbürger haben diesem Organisationsmodell zugestimmt.
Bei der Gründung des Zweckverband wurden berücksichtigt, dass die Gemeinden im Verband sehr unterschiedlich sind. Es hat solche, die heute ARA-Standort sind. Es hat solche mit 1'000 oder 25'000 Einwohnern, mit Parlament oder Bürgerversammlung.
Das Stimmrecht berücksichtigt diese Unterschiede. Wil hat 5, Uzwil 4, Jonschwil, Oberuzwil und Zuzwil je 2 Stimmen, alle anderen 1 Stimme. Dieses Stimmrecht wird von Delegierten, welche die Gemeinden bezeichnet, wahrgenommen. Das ist wichtig, weil sonst der ablehnende Entscheid einer einzelnen Gemeinde die Gemeinschaftsaufgabe blockiert.
Ein bekanntes Beispiel in der Region ist der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB), bei dem ebenfalls die Delegierten über den Ausbau und die Erneuerung der Anlage beschliessen. Auch bei der ARA Thurau ist die Budgetkompetenz klar geregelt: Die von den Gemeinden entsandten Delegierten entscheiden über das Bauprojekt und den Nachtragskredit.
Das ist nicht in jeder Gemeinde gleich, diese haben unterschiedliche Strategien, wie sie ihre Abwasseraufgabe finanzieren.
- Es gibt Gemeinden, die hohe Anschlussbeiträge und dafür tiefere Gebühren haben oder umgekehrt.
- Teilweise haben die Gemeinden aufgrund des aufgestauten Unterhalts in ihren ARA’s erhebliche Reserven angelegt.
- Ländliche Gemeinden müssen für wenige Liegenschaften lange Leitungen bauen. Urbanere Gebiete sind gefordert, weil Leitungsbau im Siedlungsraum teurer ist.
- Die Stadt Wil bringt einen Teil des Abwassers auf die ARA in Münchwilen. Auch Kirchberg, Sirnach, Wuppenau oder Niederhelfenschwil brauchen auch noch andere ARA’s.
- In die Gebührenkalkulation einzurechnen ist auch, dass die bisherige ARA wegfällt – diese Kosten sind in jeder der 4 ARA’s unterschiedlich.
Heisst, dass der Abwasserverband Thurau keine Aussage zur Gebühren-Entwicklung in den einzelnen Verbandsgemeinden machen kann. Er achtet darauf, dass er langfristig tiefe «Produktionskosten» erreicht.
Ja. Auch ohne Neubau wären umfassende Investitionen in die bestehenden Anlagen notwendig gewesen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren ist der Betrieb einer zentralen ARA deutlich wirtschaftlicher als der parallele Betrieb mehrerer Einzelanlagen. Mit weiter steigenden gesetzlichen Anforderungen dürfte sich dieser Vorteil zusätzlich vergrössern. Die regionale Lösung schafft Synergien im Betrieb, reduziert langfristig parallele Infrastrukturen und ermöglicht eine höhere Reinigungsleistung mit effizienteren Strukturen.
Im Vorprojekt wurde angenommen, dass nur ein Teil der Bauwerke gepfählt werden muss. Diese Annahme stützte sich auf Erkenntnisse aus dem letzten Ausbau der ARA Uzwil. Vertiefte Baugrunduntersuchungen erfolgten in der Bauprojektphase, als Standort und Bauweise der Baukörper definitiv festgelegt waren. Erst dann können Fundationsmassnahmen verbindlich geplant und berechnet werden.
Rückblickend kann festgestellt werden, dass frühere, vertiefte Abklärungen zu Fundation und Baugrund diesen Teil der Mehrkosten früher zu Tage gebracht hätte.
PFAS sind langlebige Industriechemikalien, die heute in vielen Bau- und Umweltprojekten berücksichtigt werden müssen. Bei Bauprojekten wird deshalb geprüft, ob belastetes Material vorhanden ist und wie dieses gesetzeskonform behandelt werden muss. Beim Projekt ARA Thurau wurden aufgrund von Auflagen des Amt für Umwelt Ende 2023 entsprechende Untersuchungen durchgeführt. Wo belastetes Material festgestellt wurde, wird dieses gemäss den gesetzlichen Vorgaben fachgerecht behandelt und entsorgt. Die Anforderungen wurden in der Planung berücksichtigt.
Der Baustart ist derzeit für November 2026 vorgesehen. Voraussetzung ist, dass die Delegiertenversammlung dem Projektkredit zustimmt und das anschliessende Bewilligungsverfahren ohne Einsprachen verläuft. Die Planung ist weit fortgeschritten, die Vorprüfungen sind erfolgt und das Bewilligungsverfahren startet planmässig im April 2026.
Der Bau erfolgt etappiert über mehrere Jahre. Die Inbetriebnahme ist gestaffelt vorgesehen, um einen geordneten Übergang von den bestehenden Anlagen zur neuen ARA sicherzustellen. Die erste Etappe soll im Jahre 2030 eröffnet werden, die Gesamtanlage dann 2033.
Mit der Umsetzung muss bis spätestens Ende 2035 begonnen werden, damit der Bund eine finanzielle Unterstützung leistet.
Ja. Das Baudepartement des Kantons St. Gallen unterstützt die Anstrengungen der beteiligten Gemeinden für die Planung einer gemeinsamen ARA am Standort Niederuzwil ausdrücklich.
Ja. Die Untersuchungen des Kantons St. Gallen haben ergeben, dass insgesamt zehn ARA Massnahmen zur Beseitigung von Mikroverunreinigungen treffen müssen. In der ARA Altenrhein wurde im September 2019 die kantonsweit erste zusätzliche Reinigungsstufe in Betrieb genommen. Informationen zum aktuellen Stand der Massnahmen im Kanton St. Gallen finden Sie hier.
Es stimmt, aktuell hat nur die Stadt Wil die Pflicht, ihre ARA mit einer EMV-Stufe nachzurüsten. Das ist aber zu kurz gedacht. Die Reduktionsziele des Bundes würden, wenn auch knapp, bei einem Alleingang Wils zwar erreicht. Bei einem ARA-Zusammenschluss wird die Wasserqualität der Thur ab Wil aber viel stärker verbessert, da auch das Abwasser der unterhalb von Wil folgenden Einzugsgebiete gereinigt wird. Zudem haben die Vorstudien des Kantons gezeigt, dass sich ein Zusammenschluss auch wirtschaftlich lohnt. Die aktuelle Revision des Gewässerschutzgesetzes wird dazu führen, dass ab 2029 auch andere ARA nachrüsten müssen.
Ja. Es gibt in der ganzen Schweiz (wie auch im Kanton St. Gallen) eine grosse Zahl an Beispielen für erfolgreiche ARA-Zusammenschlüsse. Meistens werden kleinere ARA aufgehoben und an grössere ARA angeschlossen (z. B. Oberbüren an Niederbüren, Rehetobel und Speicher an Altenrhein, Hätterenwald an Au, usw.). Diese Konsolidierung ist ein langfristiger Trend, welcher schweizweit schon lange anhält (z.B. ARA Glarnerland, ARA Engadin) und auch noch lange anhalten wird. Eine grössere ARA lässt sich zuverlässiger, energieeffizienter und kostengünstiger betreiben als viele kleine. Zudem ist ihre Reinigungsleistung besser.
Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Erstens müssen die vier ARA auch ohne Zusammenschluss in ähnlichem Umfang in die bestehende Infrastruktur investieren. Zweitens können die Betriebskosten bei einem Zusammenschluss dank der Ausnutzung von Skaleneffekten deutlich reduziert werden.
Ja, davon ist auszugehen – nicht zuletzt, weil im Rahmen des Vorprojekts entschieden worden ist, für die biologische Reinigung auf einen sogenannten Sequencing Batch Reactor (SBR) und damit auf ein vergleichsweise platzsparendes Verfahren zu setzen.
Die Geruchsemissionen einer ARA entstehen zum grössten Teil in den mechanischen Reinigungsstufen, z.B. in der Rechenanlage. Diese Teile werden bei modernen ARA eingehaust, also in ein Gebäude verlegt. Die Abluft wird mit Luftfiltern gereinigt. Das wird bei der ARA Thurau nicht anders sein. Die Geruchsbelastung, die von der ARA Thurau ausgehen wird, wird aufgrund der moderneren Bauweise im Vergleich zu heute geringer ausfallen, obwohl deutlich grössere Abwassermengen verarbeitet werden.
Er beteiligt sich zu 75% an den Investitionskosten für die zusätzliche Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen.

